Club der Pferdefreunde e.V.
Reitanlage:
Kalbecker Straße 257
47574 Goch
Telefon: 0 28 23 . 83 83

Aktuelles

19.11.14
FN beschliesst Veranstalterentlastung - Hört sich gut an, ist aber nicht gut!

 

Die FN und die Landesverbände haben ein Maßnahmenpaket beschlossen, das den Veran-
staltern bei der Finanzierung der Turniere helfen soll. Gebühren sollen gesenkt, Einnahmen erhöht werden. Das hört sich gut an. Geht man aber ins Detail, bekommt dieser Beschluss einen bitteren Beigeschmack. Die angebliche Entlastung ist kaum der Rede wert und die Auswirkungen, die die zusätzlichen Einnahmen nach sich ziehen, werden erhebliche negative Konsequenzen haben.

Fast alle Veranstalter beklagen sich über die hohen Verbandsabgaben an die FN und den jeweiligen Landesverband. Die FN weist dick gedruckt darauf hin, dass die Gebühren reduziert werden. Das ist ein längst fälliger Schritt, den man nur begrüßen kann. Wenn man sich aber die Gebührensenkung genauer anschaut, stellt man fest, dass sie sich kaum auswirkt. Zumindest wird sie die meisten Vereine nicht wirklich erreichen. Bei nationalen Turnieren - und das ist die Mehrzahl - betrifft die Gebührenreduzierung lediglich den Veranstalteranteil an der zu zahlenden Züchterprämie. An einem Zahlenbeispiel wird es klarer: Das Gocher Sommerturnier ist ein klassisches ländliches Turnier (2 Tage, Dressur und Springen bis Kl. M, 27 Prüfungen). Bei diesem Turnier betrugen im letzten Jahr die reinen Veranstalterabgaben an die FN und den PSVR 1.850 € (ohne Nachtragsgebühren). Die angekündigte Gebührensenkung wird sich mit ca. 50 € auswirken. Das sind weniger als 3%. Eine wirkliche Entlastung sieht anders aus! Faktisch werden die Gebühren kaum verändert. Hier drängt sich der Verdacht auf, dass diese Maßnahme ein Alibi-Zugeständnis ist: Hört sich gut an und ist für den Verband zu verschmerzen!

Die Erhöhung der Einnahmen soll durch eine flexible Handhabung des s. g. "Organisationsanteils" finanziert werden. Das muss erklärt werden: Das Nenngeld setzt sich bisher so zusammen: Egal welche Prüfungsklasse - egal wie hoch das Nenngeld ist - der Veranstalter erhält nur 3 € davon. Der übrige Teil des Nenngeldes ist ein "durchlaufender" Posten, der nach dem Turnier an die FN bzw. an den jeweiligen Landesverband abgeführt werden muss. Ab 1. April 2015 kann dieser Organisationsanteil auf bis zu 8 € erhöht werden. Dieser Anteil bleibt beim Veranstalter, der damit eine echte zusätzliche Einnahmequelle von bis zu 5 € hat. Positiv am "Organisationsanteil" ist, dass die Vereine selber entscheiden können, wie sie damit umgehen. Hoffentlich mit der nötigen Sensibilität! Denn die Konsequenzen sind erheblich: Wenn diese Erhöhung Schule macht, dann wird das sowieso schon teure Turnierreiten noch teurer - und zwar erwähnenswert! Ein Startplatz in einem A-Springen, der bisher 7,50 € kostet, könnte dann bis zu 12,50 € kosten. Man muss kein Hellseher sein, um zu prognostizieren, dass dann die Nennungszahlen noch mehr zurückgehen, die Teilnehmer weniger und die Veranstaltungen exklusiver werden.

Und das sollen Maßnahmen zur Stärkung der Veranstalter und zur Unterstützung der Turniere - letztendlich der Turnierreiterei sein?

Fast alle Vereine haben Nachwuchssorgen. Eigentlich sollten es doch gemeinsame Ziele sein, den Einstieg in den Reitsport zu erleichtern und den Turniersport für eine möglichst breite Basis finanzierbar zu gestalten?! Bei steigenden Kosten wird das aber immer schwieriger! Verbandsseitig wird argumentiert, dass die WBO viele Möglichkeiten gibt, unbürokratisch und kostengünstig Veranstaltungen durchzuführen. Die Botschaft dahinter ist: Man muss keine teuren Turniere veranstalten. Aber ist das der richtige Weg? Weniger normale Turniere und mehr WBO-Veranstaltungen? Aus sportlicher Sicht ist das nicht nachvollziehbar! Vor diesem Hintergrund entsteht der Eindruck, dass der aktuelle FN-Beschluss eher kontraproduktiv ist.

Bleibt zu hoffen, dass die Vereine das erkennen und möglichst wenige Veranstalter die Möglichkeit der Gebührenerhöhung nutzen.

mehr